VorbemerkungIn den letzten Monaten ist ein neues Verfahren entwickelt
worden, womit man aus Globalstrahlungsdaten die Sonnenscheindauer bestimmen
kann. Um es aber auch für eine zuverlässige Anwendung zu küren
muss es vorher zumindest für einen kurzen Zeitraum getestet werden.
Ich will an dieser Stelle diesen Test wagen und auch mit der bisher angewandten
Methode vergleichen.
Als bisher noch einzig anerkanntes Verfahren (zumindest ist dem Verfasser nichts anderes bekannt) gilt die Bestimmung der Sonnenscheindauer mit dem Campell-Stockes, der zwar in der Bestimmung bei bestimmten Wetterlagen auch einige Macken hat, aber an den großen Stationen als ultimatives Maß angewandt wird. Aus diesem Grund will ich den Wert des Campell-Stockes als den anzustebenen Wert annehmen. Für meinen Vergleich ziehe die Daten der Wetterstation Jänickendorf heran, da hier die Daten vollständig für die zu vergleichenden Verfahren vorliegen. Qualitative Aussage der Sonnenscheindauer mittels festen Schwellwertes Bisher wurde
die Sonnenscheindauer mittels eines festen Schwellwertes ermittelt. Dieser
galt pauschal für den ganzen Tag. Dadurch entstanden ganz gravierende
Berechnungsungenauigkeiten. Schon der erste Sonnenstrahl lässt sich
zeitlich mit der ersten Brennspur nicht vergleichen. Die Abweichung hier
liegt zwischen 340 Minuten zu früh und 69 Minuten zu spät. Es
wird jedoch deutlich, je später die erste Brennspur aufgezeichnet
wird, desto früher stellt das Verfahren den ersten Sonneschein fest.
Die günstigste Zeit für eine fehlerfreie Ermittlung bildet die
Zeit um 8:00 Uhr. Die Zeiten zuvor werden zu spät angezeigt, danach
nur noch zu früh. Im Durchschnitt werden die Ereignisse um 56 Minuten
zu früh angezeigt.
Bleibt noch die Gesamtsumme zu vergleichen. Mit dem Campell-Stockes wurden im Analysezeitraum 90,8 Stunden Sonne festgestellt. Mit dem Rechenverfahren wurden 156,0 Stunden festgesellt. Mithin hat das Rechenverfahren einen 171,8%-gen Wert errechnet, was wohl im Ergebnis auch langfristig betrachten deutlich über dem Wert liegt. Qualitative Aussage der Sonnenscheindauer mit einem variablen SchwellwertDas neue Verfahren rechnet für jede Minute einen neuen Schwellwert aus. Dabei geht man von einer Solarkonstante aus, durch den Einfallwinkel schwächt sich die ankommende Menge ab. Bei diesem Verfahren ist eine Schwellwertkurve der natürlichen Energiekurve der Globalstrahlung nachempfunden. Auch hier lagen mir für fast den ganzen Monat Daten vor. Allerdings gab es durch Fehlimpuls ganz gravierende Probleme, die das Ergebnis etwas verfälschen.
Sensationell verändert hat sich die Zuverlässigkeit an den Tagen, an denen keine Sonne mit dem Campell festgestellt wurde. So gab es lediglich 2 von 28 Tage, an den Sonne festgestellt wurde, bei denen aber keine Sonne vorhanden gewesen ist.
ZusammenfassungMit dem neuen dem neuen Verfahren kann die Sonnenscheindauer viel genauer bestimmt werden. Der Vergleich zeigte es bereits, durch die Berücksichtigung des Sonnenstandes, der Ortszeit, also von Faktoren, die astronomisch bestimmt sind, wurde eine Verbesserung bei der Ermittlung der Sonnenscheindauer erreicht. Die Berücksichtigung von zusätzlichen Abendschwellwerten scheint auch im Moment weder geboten noch erforderlich.Eine Vielzahl von Problemen bleibt jedoch. So schätze ich ein, dass mir bei diesem Vergleichsverfahren für einen halben Monat problembehaftete Daten vorlagen. Besonders problematisch sind die Fehlimpulse gewesen, die besonders bei niedrigen Sonnenstand eine Auswirkung hatten. Für mich weiterhin zweifelhaft ist die Eichung der einzelnen Anlagen. Ein Vergleich der Globalstrahlungswerte der Stationen hat gezeigt, dass hier auch bei ähnlicher Bewölkung ganz unterschiedliche Werte gemessen werden. Die Differenzen lassen sich aber nicht mehr mit der Lage im Gradnetz der Erde, damit mit einem anderen Sonnenstand begründen. Die aufgeführten Daten gelten deshalb nur für die Wetterstation Jänickendorf, da an anderen Stationen noch ein anderes Vergleichsergebnis erwartet werden kann. Auch in Bereich des Einflusses bei durchscheinender Bewölkung ist noch einiges unklar. Inwieweit aber die Formel nun noch korrigiert werden soll/muss, vermag ich unter dem vorgenannten Ergebnis nicht zu sagen. Das vorgestellte Ergebnis kann nur ein vorläufig sein. Zu gering ist die Datenanzahl gewesen um daraus eine abschließende Beurteilung zu machen. Das Verfahren wurde mit Daten von 28 Tagen getestet. In einem halben Jahr sollte die Formel erneut für einen längeren Zeitraum auf den Prüfstand. Die neu entwickelte Formel ist vorläufig für die Bestimmung
der Sonnenscheindauer geeignet und kann als Bestandteil des Filters aufgenommen
werden.
Wer mehr dazu wissen möchte, wende sich direkt an den Beobachter der Wetterstation Neuenhagen. HinweiseDer erwähnte Filter ist eine Entwicklung der
Wetterstationen Jänickendorf und Neuenhagen. Er dient der erleichterten
standartisierten Auswertung bei vollautomatischen Wetterstationen. Wer
sich einen solchen Filter zulegen möchte oder dazu Fragen hat wende
sich an den Autor
des Artikel oder an Herrn
Ringel (Stationsbetreiber der Wetterstation Jänickendorf).
Christian Siemianowski
Stationsleiter der Wetterstation Neuenhagen
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